Baubericht Main-Speaker

Gebaut werden sollte ein Paar 2-Wege-Lautsprecher zum Betrieb in einer Heimkino- und Musikanlage. Diese Lautsprecher erhalten dort zwar Unterstützung durch zwei Subwoofer, allerdings sollten sie für gelegentliche auswärtige Wohnzimmerpartyanlässe auch vollbereichstauglich sein, weshalb es Bassreflexlautsprecher wurden.

Abb.1: Entwurf Lautsprecher

Abb.1: Entwurf Lautsprecher

Die Bestückung entstammt der PA-Ecke und umfasst je einen Eminence Deltalite II 2510 als Tiefmitteltöner und einen BMS4550 auf einem Limmer 022 Horn als Hochtöner. Bilder der verwendeten Treiber finden sich hier.

Das Volumen sollte 50 Liter betragen. Simuliert habe ich mit von einem User des Hifi-Forums gemessenen Daten des Tiefmitteltöners. Die Proportionen sollten die eines Kompaktlautsprechers sein. Mit diesen Hintergedanken habe ich mit Sketchup einen Entwurf erstellt (Abb.1).

Abb.2: Material

Die Maße aus dem Entwurf konnte ich direkt übernehmen, um damit zum Baumarkt zu gehen, um mir dort das Material zuschneiden zu lassen. Der Korpus sollte aus schwarz durchgefärbtem MDF von 19 mm Stärke gebaut und die Schallwand  aus Birke-Multiplex von gleicher Stärke aufgedoppelt werden. Für die Innenversteifungen habe ich

Abb.3: Versteifungsbrettchen

Abb.3: Versteifungsbrettchen

normales 10-mm-MDF für ausreichend erachtet. Die Maße habe ich direkt nach dem Zuschnitt noch im Baumarkt geprüft und sie wurden sehr genau eingehalten. Heraus kam der Bretterstapel aus Abb.2.

Den Bau musste ich auf draußen auf der Terrasse durchführen. Einen Werkstattraum habe ich leider nicht zur Verfügung. Smilie: :-(

Abb.3 zeigt eines der inzwischen ausgesägten Brettchen, die später die Innenversteifungen darstellen sollen. Vor dem Aussägen mit der Stichsäge mussten alle Ecken der ausgeschnittenen Rechtecke mit Löchern versehen werden, die groß genug sein mussten, damit das Sägeblatt der Stichsäge reinpasste. Um die Ecke sägen geht mit so einer Säge nämlich nicht.

Abb.4: Anbringung der Gehrungsschnitte

Abb.4: Anbringung der Gehrungsschnitte

Seitenwände, Boden und Deckel sollten auf Gehrung verleimt werden. Daher musste ich alle entsprechenden Kanten mit einer 45-Grad-Fase versehen. Das ganze habe ich mit einer Tauchkreissäge mit Führungsschiene bewerkstelligt. Um alles gut zu fixieren habe ich mir die windige Konstruktion ausgedacht, die in Abb.4 zu sehen ist. Diese Konstruktion hat aber wunderbar funktioniert.

Abb.5: Flachdübel

Abb.5: Flachdübel

In Abb.5 sieht man dann das Ergebnis. Außerdem wollte ich die Bretter mit Flachdübeln verbinden. Dafür habe ich mir eine recht günstige Flachdübelfräse gekauft, die zumindest für meinen Geschmack genau genug gearbeitet hat. Man muss sich nur der Grenzen von günstigem Werkzeug bewusst sein. Smilie: :-)

Um mal zu sehen, ob alles zusammenpasst, habe ich die Teile dann schon mal zusammengesetzt, ohne zu verleimen. Das Ergebnis war zufriedenstellen, Toleranzen bewegten sich im Millimeter-bereich (Abb.6).

Abb.7: Bassreflexkanal

Abb.7: Bassreflexkanal

Abb.6: Passprobe

Dann ging es ans Verleimen. Zunächst habe ich auf die Rückseite der Frontplatten die Brettchen aufgeklebt, die später den Bassreflexkanal mit bilden sollten (Abb.7)

Danach habe ich auf die Innenseiten der Seiten- und Rückwände sowie der Deckel Tyrofoam SG30 aufgeklebt, ein Schwerschaummaterial zur Beruhigung der Gehäusewände.

Abb.8: Tyrofoam SG30

Abb.8: Tyrofoam SG30

Dort, wo später Gehäuseversteifungen mit den Wänden verbunden werden sollten und auch dort, wo die verbauten Treiber nach Platz verlangen, habe ich Lücken gelassen (Abb.Smilie: 8).

Abb.9: Frontplatten werden aufgeleimt

Abb.9: Frontplatten werden aufgeleimt

Auf Abb.9 wurden die Frontplatten mit den Bassreflexbrettchen auf die jeweils linken Seitenteile der zukünftigen Lautsprecher geleimt. Zur Beschwerung wurden einfach andere Teile des Gehäuses hergenommen.

Abb.10: Innenversteifung

Abb.10: Innenversteifung

Abb.10 zeigt die zusammengeleimten Teile, die später die Innenversteifungen der Lautsprecher darstellen sollen.

In Abb.11 wurden die Versteifungen eingeleimt. Schraub- bzw. Klemmzwingen sorgen hier wie auch bei großen Teilen des Restes der Montage für den nötigen Anpreßdruck der zu verleimenden Teile.

Abb.11: Versteifungen werden eingeleimt

Abb.11: Versteifungen werden eingeleimt

Anschließend ging es mit den Rückwänden weiter (Abb.12).

Abb.12: Die Rückwände werden verleimt

Abb.12: Die Rückwände werden verleimt

Dabei ist mir ein Missgeschick passiert, in dem ich bei einer der Lautsprecher die Rückwand um ca. 2 Millimeter verschoben montiert hatte. Leider konnte ich das erst bemerken, als ich nach dieser Verleimaktion nochmal eine Passprobe gemacht habe, bei der es dann bei diesem Lautsprecher gar nicht mehr gepasst hat. Ich musste an einer Seite also etwas Material wegnehmen und an der anderen Seite eine nur 2 mm schmale Leiste ankleben. Naja, es hat funktioniert und man sieht es nur, wenn man sich beim betroffenen Lautsprecher die Rückseite ganz genau betrachtet. Smilie: :-)

Abb.13: Vorbereitung

Abb.13: Vorbereitung

Nun sollte es daran gehen, die Böden, die Deckel und die rechten Seitenteile anzubringen. Dazu wurde zunächst alles, wie in Abb.13 zu sehen ist, in der richtigen Reihenfolge hingelegt. Bei der Verleimung gab es mehrere Schwierigkeiten zu überwinden. Die erste war, dass ich noch nie eine Box gebaut hatte, geschweige denn, dabei auch noch auf Gehrung geleimt. Nur insofern hatte ich Erfahrung mit der Holzbearbeitung, als dass ich meine zwar selbst entwickelten, doch von einem Freund, der damals Schreinerlehrling war, gebauten Subwoofer mit Bassreflexkanälen anstatt der vorher vorhandenen Bassreflexrohre ausgestattet hatte. Keine Ahnung, welcher Teufel mich geritten hat, mir da gleich Gehrungsverleimungen anzutun.

Die nächste Schwierigkeit war, dass ich einen recht schnell abbindenden Leim benutzt habe und daher alles recht fix gehen musste.

Abb.14: Festzurren mit Spanngurten

Abb.14: Festzurren mit Spanngurten

Naja, dank der Flachdübel musste ich nach dem Zusammenklappen des ganzen Geraffels nicht mehr viel korrigieren, und ich konnte das Ganze dann mit Spanngurten festzurren (Abb.14). Nerven hat’s trotzdem gekostet.

Abb.14: Frontaufdoppelungen werden aufgeleimt

Abb.14: Frontaufdoppelungen werden aufgeleimt

Damit waren die Korpora fertig. Als nächstes wurden die Frontplattenaufdoppelungen aus Birkemultiplex aufgeleimt (Abb.15, auf dem Bild ist auch mein „Assistent“ Timo zu sehen . . . Smilie: :-) ). Ein Verrutschen habe ich verhindert, indem ich kleine Nägel in die Frontplatte geschlagen und etwa einen Millimeter über der Frontplatte mit einem Seitenschneider abgeknipst habe. Der herausstehende Rest bohrte sich unter der Gewalt von vier Schraubzwingen problemlos in die Multiplexplatte.

Abb.15: Bassreflexkanal ausgefräst

Abb.15: Bassreflexkanal ausgefräst

Im Prinzip reichen für diese Methode zwei Nägel. Ich habe glaube ich vier genommen. Äußerst wichtig ist, sie dort einzuschlagen, wo später nicht gefräst oder gesägt werden muss. Sonst drohen unbrauchbar werdende Fräsköpfe bzw. Sägeblätter und schlimmstenfalls sogar sehr unangenehme Unfälle mit Verletzungen.

In Abb.15 wurden die Kanten der Multiplexplatte, die ich mit Absicht mit ein paar Millimetern Übermaß geordert habe, bereits bündig gefräst. Nachdem der Bassreflexkanal mit einer Stichsäge zunächst grob ausgesägt wurde, kam auch hier der Bündigfräser zum Einsatz, um ihn entgültig auszuformen.

Für den Montageplatz für das Hochtonhorn habe ich mir zunächst eine Frässchablone aus dünnem Sperrholz gebastelt. Da später mit einer Kopierhülse an der Oberfräse gefräst werden sollte, musste der Ausschnitt ein entsprechendes Übermaß aufweisen.

Abb.16: Einsatz einer Frässchablone

Abb.16: Einsatz einer Frässchablone

Beim ersten Lautsprecher habe ich die Fräsung noch vor dem Sägen der Einbauöffnung vorgenommen. Auf Abb.16 sieht man aber, dass ich hier umgekehrt vorgegangen bin. Denn mit der erstgenannten Reihenfolge hatte das Sägeblatt der Stichsäge zu wenig Führung. Das Sägeblatt begann zu „wandern“, so dass ich am Ende an manchen Stellen zu wenig „Fleisch“ zur Montage des Horns zur Verfügung hatte, was ich später ausbessern musste (s.u.).

Abb.17: Einsatz des Fräszirkels

Abb.17: Einsatz des Fräszirkels

Überhaupt war der erste Lautsprecher, mit dem ich einen Schritt jeweils angefangen habe, zum Üben . . .

Wie auch die Hörner, so sollten auch die Tiefmitteltöner versenkt montiert werden. Dazu habe ich mit dem der Fräse beigepackten Fräszirkel (Abb.17) und einem Nutfräskopf eine entprechende runde Vertiefung ausgefräst (Abb.1Smilie: 8).

Abb.18: Fräsung zum späteren Einlassen des TMT

Abb.18: Fräsung zum späteren Einlassen des TMT

Anschließend habe ich die Einbauöffnung mit der Stichsäge ausgesägt (Abb.19). Hier wäre ein Umgekehrtes Vorgehen wie bei der Fertigung der Horneinbauöffnungen nicht möglich gewesen, weil ich ja sonst keinen Mittelpunkt zum Fixieren des Fräszirkels mehr zur Verfügung gehabt hätte.

Abb.19: Die EInbauöffnung wird ausgesägt

Abb.19: Die EInbauöffnung wird ausgesägt

Andererseits ist der Montageflansch der Tiefmitteltöner etwas breiter, als der der Hörner, so dass ein bisschen „Wandern“ des Sägeblattes nicht so schlimm war. Die Tiefmitteltöner passten in die fertigen Öffnungen jedenfalls schon mal perfekt hinein (Abb.20).

Abb.20: Passt!

Abb.20: Passt!

Dann habe ich noch die Außenkanten der Frontplatte und die Austrittskanten der Bassreflexkanäle mit einem Radiusfräser rundgefräst (Abb.21).

Damit waren die Gehäuse fertig und es konnte ans Finish gehen.

Abb.21: Kanten Rundgefräst

Abb.21: Kanten Rundgefräst

Zunächst habe ich Macken mit Holzspachtel ausgebessert und die Gehäuse komplett abgeschliffen. Anschließend habe ich eine Schicht Holzlasur mit dem Farbton „Kolonialbraun“ aufgetragen und mit feinem Schleifpapier geschliffen. Mit einer weiteren Schicht Lasur war die Bearbeitung dann abgeschlossen (Abb.22).

Auf Abb.23 sieht man, wie ich das oben erwähnte zu wenig an „Fleisch“ an den Horneinbauöffnungen ausgebessert habe. Dazu habe ich die Stellen, an denen dort die Schrauben sitzen sollten, ausgesägt und jeweils ein passendes Reststück MDF eingeklebt.

Abb.22: Lasur in Kolonialbraun

Abb.22: Lasur in Kolonialbraun

Übrigens habe ich für die Verschraubungen der Hörner und der Tiefmitteltöner größtenteils Feingewindeschrauben in Verbindung mit Einschagmuttern verwendet. Nur für die oberen je zwei Schrauben der Hörner musste ich Rampamuffen verwenden, da dort für Einschlagmuttern kein Platz gewesen wäre.

Abb.23: Flickwerk

Abb.23: Flickwerk

Naja, bis jetzt hält es jedenfalls. Smilie: :-)

Zur Gehäusebedämpfung habe ich die Wände mit Bondum 800 verkleidet sowie eine Lage Bondum 800 auf das horizontale Versteifungsbrettchen zwischen Hoch- und Tiefmitteltönerbereich gelegt.

Abb.24: Bedämpfung

Abb.24: Bedämpfung

Den kompletten Bereich hinter dem Horn habe ich nicht allzu fest mit Polyesterwatte aus Ikea-Decken (billiger geht’s kaum) gefüllt. Hinter die vertikale Versteifungen hinter dem Tiefmitteltöner habe ich zwei zusammengerollte Matten Bondum 800 gepackt. Insbesondere der Bereich zwischen Tieftöner und Reflexkanal ist aber frei von Dämmmaterial. Auf Abb.24 kann man das glaube ich ganz gut erkennen.

Der Lautsprecher sollte aktiv betrieben werden, wobei Weiche und Verstärker als externe Geräte ausgeführt sein sollten. Daher wurden die Anschlüsse beider Treiber nach außen geführt und es gibt so pro Lautsprecher zwei Anschlusspaare. Dafür habe ich Einzelpolklemmen verwendet. Die habe ich übereinander angeordnet, weil mir das Tyrofoam auf der Rückwand nicht anders Platz ließ (Abb.25)

Abb.25: Rückseite mit Anschlüssen

Abb.25: Rückseite mit Anschlüssen

Nebeneinander wäre theoretisch besser gewesen, weil pro Lautsprecherkabel die jeweils obere Litze das Gewicht des ganzen Kabels tragen muss. Praktisch hat sich das allerdings nicht als Problem herausgestellt, weil ich nicht dazu neige, kiloschwere, gartenschlauchähnliche Lautsprecherkabel zu verwenden (Siehe dazu den Artikel „Ich höre es aber . . .“)

Naja, dann habe ich mit Lautsprecherkabel (2 x 4 cm² aus dem Baumarkt) die Polklemmen mit den Tiefmittel- und Hochtönern verbunden und alles reingeschraubt. Der Lautsprecherbau war nun abgeschlossen.

Abb.26: Fertig.

Abb.26: Fertig.

Abb.26 zeigt einen der beiden Lautsprecher mit Katze oben drauf und ein bisschen was von einem der beiden Subwoofer unten drunter. Für ein Erstlingswerk finde ich’s jedenfalls nicht schlecht. Smilie: :-)

Darauf folgten Messungen und Einstellungen an der Aktivweiche, aber davon habe ich leider keine Messungen behalten. Ich werde darüber wohl einen eigenen Artikel schreiben, wofür ich dann allerdings neue Messungen durchführen will.

3 Antworten auf Baubericht Main-Speaker

  1. Hi Micha, echt klasse was du so anstellst. *Respekt* Smilie: :)

    LG
    Miriam

  2. Cooler Artikel, Danke und viele Grüße!!!

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