Gaza – Mein Senf dazu

Es ist  oft schwierig für mich, mich zu einem bestimmten Thema abschließend zu äußern. Immer wenn ich mir über eines Gedanken mache, fallen mir neue Aspekte ein, die wieder ein anderes Licht auf es werfen. Wenn ich damit immer weiter mache, komme ich nie auf einen grünen Zweig. Doch muss ich das überhaupt? Ist das überhaupt immer sinnvoll?

Der Gaza-Konflikt ist ein gutes Beispiel: Es scheint angesichts der Bilder in den Nachrichten offensichtlich zu sein, dass die israelische Administration unverhältnismäßig handelt. So gibt es in diesem Konflikt unter der palästinensischen Bevölkerung bei weitem mehr Tote, als unter der Israels.

Und spätestens hier macht der Normalbürger Schluss mit der Betrachtung. Es ist ein sehr einfaches Bild und zudem geeignet, schon vergessen geglaubte Ressentiments hervorzuholen und zu pflegen. Schon hallen vereinzelt wieder antisemitische Sprüche durchs Land. Standhaft wird entrüstet behauptet, Kritik an Israel sei ja nicht erlaubt, obwohl man nur ein bisschen in der Presse umher lesen muss, um festzustellen, dass das eine bloße Lüge, mindestens jedoch eine Schutzbehauptung ist, um sich als einsamer Kämpfer in der Wüste gerieren zu können, dessen Schlachtfeld in Wahrheit der Stammtisch ist, sei er nun echt oder virtuell.

Betrachtet man sich das Ganze etwas näher, dann wird es auf einmal komplizierter. Die palästinensische Hamas feuert Raketen in großer Zahl auf Israel ab und ruft Zivilpersonen auf, sich als menschliche Schutzschilde vor die Abschussrampen zu stellen, oder palästinensische Zivilpersonen werden unfreiwillig Schutzschild, weil die Abschussrampen sich nicht ohne Absicht in Wohngebieten befinden.

Ja, Israel hat eine leistungsfähige Luftabwehr, so dass nicht viele dieser Raketen durchkommen. Aber das perfide Ziel der Hamas ist nicht die direkte Wirkung dieser Raketen, sondern das Gewinnen des Krieges der Bilder, Opfer  unter den eigenen Landsleuten bewusst in Kauf nehmend, wohl kalkulierend, wie Israel auf die ständige Bedrohung seiner Zivilbevölkerung reagieren wird. Gerne schiebt die Hamas religiöse Motive vor, redet dem islamischen Dschihad das Wort, sähe Israel am liebsten von der Landkarte getilgt, einen expandierenden Gottesstaat an seine Stelle tretend. Ich finde, dass das auch nicht gerade die ideale Verhandlungsbasis ist . . .

Auf beiden Seiten gibt es Täter und Opfer, Fanatiker und Vernunftbegabte, wobei es letztere zur Zeit offenbar ungeheuer schwer zu haben scheinen. Ich finde es jedenfalls äußerst schwierig, das alles zu beurteilen, je mehr ich über dieses Thema erfahre und je weiter ich in die Geschichte dieses ja schon seit einer halben Ewigkeit währenden Konfliktes zurückblicke. Diese Ratlosigkeit ist mir aber allemal lieber, als aufgeblasener, sensationsheischender Populismus und die Versuchung, alles und jeden über einen Kamm zu scheren.

Kategorie(n): Gesellschaft, Politik
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