Aufmarsch in Syrien (03.09.2013)

Die Lage in Syrien ist unübersichtlich. Sie ist zudem nicht isoliert zu betrachten, sondern immer in Verbindung mit den umliegenden Staaten und auch mit den Interessen, die Großmächte wie die USA, Russland und auch die EU dort haben.

In Syrien selbst hat ein schlimmes Kriegsverbrechen stattgefunden, bei dem Giftgas ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung eingesetzt wurde. Es wird vermutet und viele Indizien scheinen auch dafür zu sprechen, dass der Angriff von Regierungsseite aus geschehen ist, doch wirklich zweifelsfrei bewiesen ist es nicht. Die Frage ist nur: Kann man es überhaupt zweifelsfrei beweisen?

Und wie soll die Staatengemeinschaft darauf reagieren? Unzweifelhaft hat es in der Vergangenheit viel zu wenig Reaktionen auf den syrischen Bürgerkrieg gegeben. Viel früher schon hätte es Unterstützung für die Opposition gegen Assad geben müssen, zu einem Zeitpunkt also, als sie noch nicht von dschihadistischen Gotteskrieger-Schwachköpfen unterwandert war. Große Teile der syrischen Opposition hätten sich zu Anfang des Konfliktes schon eine Flugverbotszone gewünscht, was ohne Frage auch ein militärischer Eingriff gewesen wäre aber die Zivilbevölkerung vor Bombenangriffen hätte schützen können.

Das alles ist aber nicht passiert. Was aber würde ausgelöst werden, würden die Amerikaner die Drohung eines bis zu drei Tage währenden Angriffes wahr machen? Würde es die Lage dort weiter destabilisieren, würde gewissermaßen ein Pulverfass explodieren, als das der nahe Osten gerne schon mal bezeichnet wird? Oder würde es vielmehr explodieren, würde dergleichen nicht durchgeführt werden? Im Moment lautet die Frage nur: Welches ist in seinen Auswirkungen von geringerem Übel? Und ich weiß für mich da im Moment keine Antwort.

Mal ein Vergleich, der in vielerlei Hinsicht hinken mag, der aber dennoch nachdenklich stimmt: Ich kann jeden verstehen, der den Einsatz von Waffen grundsätzlich verurteilt. Hätten die Alliierten damals im zweiten Weltkrieg also besser davon absehen sollen?

Ende des Kommentares.

Ein weiterer amerikanischer Zerstörer, die USS Stout, ist vor einigen Tagen im östlichen Mittelmehr angekommen. Die Meldungen hierüber sind ein bisschen widersprüchlich. Je nach dem, wo man nachliest sollte die USS Stout die vier sich dort schon befindenden Schiffe verstärken oder auch eines von ihnen ablösen. Anscheinend befinden sich allerdings alle fünf Zerstörer noch dort.

Dafür, dass nicht ursprünglich Syrien die Ursache für die Verlegung der USS Stout ist, spricht, dass sie sich drei Tage vor dem Giftgasangriff in Syrien von Norfolk/Virginia aus auf den Weg gemacht haben soll. Das heißt allerdings nicht, dass der Einsatzplan dieses Schiffes nicht den neuen Erfordernissen angepasst werden könnte.

Außerdem ist jetzt noch die USS San Antonio dazu gestoßen. Das ist eher ein militärisches Truppen- und Gerättransportschiff, das über so gut wie keine Offensivwaffen verfügt und zudem, wenn man sich den entsprechenden Artikel auf Wikipedia durchliest, wohl ein ziemliches Pleiten-Pech-und-Pannen-Gefährt.

Es befinden sich aber anscheinend einige hundert Marines an Bord. Das passt nicht zu der angekündigten Art des Angriffes, macht aber auch nicht viel Sinn, wenn es um die Einsatz von Bodentruppen ginge, weil es dafür viel zu wenige Soldaten wären. Und so heißt es von offizieller Seite denn auch, dass der Aufenthalt dieses Schiffes lange geplant gewesen sei und mit der aktuellen Syrien-Krise nichts zu tun habe.

Derweil hat das britische Unterhaus einen Kriegseinsatz in Syrien abgelehnt, so dass als einziger europäischer Partner für einen Militärschlag gegen Syrien Frankreich verbleibt. Wie im letzten Artikel über Syrien erwähnt befindet sich im Mittelmehr der französische Flugzeugträger „Charles De Gaulle“, der aber noch im Hafen von Toulon vor Anker liegt. Ausserdem hat Frankreich die Fregatte „Chevalier Paul“ in Richtung Syrien entsandt, ein Schiff, das aufgrund seiner Bewaffnung wohl am ehesten zur Luftverteidigung des Verbandes eingesetzt werden würde.

Entgegen der bisherigen Gepflogenheiten US-amerikanischer Präsidenten hat Barack Obama die Entscheidung über den geplanten Angriff auf Syrien in die Hände des Kongresses gelegt und nachdem ich erst gedacht hatte, der würde ihn eventuell wie das britische Unterhaus ablehnen, sieht es im Moment eher nach einer Zustimmung aus.

Kategorie(n): Allgemein, Gesellschaft, Politik
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