Aufmarsch in Syrien (28.08.2013)

Es wird gewaltig mit den Säbeln gerasselt: Syrien droht offenbar eine Art Vergeltungsschlag, eine Bestrafungsaktion durch westliche Streitkräfte, vor allem denen der USA, der Briten und vielleicht auch denen der Franzosen. Anlass ist der Einsatz von Giftgas gegen die syrische Zivilbevölkerung. Zumindest eine formal ausreichende Legitimierung erführe der Angiff allerdings nur, wenn zweifelsfrei feststünde, dass der Giftgasangriff tatsächlich von Seiten des Assad-Regimes ausgeführt wurde.

Ein Beweis dieser Art, der auch die Öffentlichkeit überzeugen könnte, steht noch aus. Nach dem Debakel um die Rechtfertigung des letzten Irak-Krieges, in dem sich die US-amerikanische Administration womöglich auf Jahre hinaus als unglaubwürdig diskreditiert hat, wird das wohl auch eine Weile so bleiben . . .

Unabhängig von irgendwelchen ethischen oder moralischen Bewertungen sieht die Situation wohl gerade so aus:

Vier amerikanische Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse, die USS Mahan, die USS Barry, die USS Ramage und die USS Gravely, haben sich ins östliche Mittelmehr begeben. Diese Schiffe mögen im Vergleich zu alten Schlachtschiffen zierlich wirken, doch sie vereinen eine ungeheure Feuerkraft in sich.

Jedes von ihnen hat 90 Abschussrohre (VLS = Vertical Launching System), eines sogar 96 davon. Aus diesen Rohren kann so einiges verschossen werden. Hier werden es wahrscheinlich Marschflugkörper vom Typ BGM-109 „Tomahawk“ sein, Trägersysteme in diesem Fall von konventionellen Sprengköpfen, die bei einer Reichweite von bis zu 2500 Kilometern ihre Ladung tieffliegend in ihr Ziel bringen können und dabei eine Genauigkeit von 10 bis 15 Metern erreichen. Mit dieser Reichweite kann wohl jedes Ziel in Syrien erreicht werden.

Möglicherweise kommen noch ein paar U-Boote hinzu, die gleichfalls als Plattformen für die Tomahawk dienen können, aber sich wohl näher an die syrische Küste heranpirschen könnten, als die Zerstörer. Über die erfährt man aber in den Medien immer nur wenig. In Frage kommen Atom-U-Boote der Ohio- (kann 154 Tomahawks mit sich führen) und der Los-Angeles-Klasse (Kann aus seinen 4 Torpedorohren Tomahawks abfeuern und führt mitunter noch 12 VLS-Rohre mit sich).

Die Briten führen im Mittelmeer wohl gerade ein Manöver durch. Beteiligt sind das Landungsschiff HMS Bulwark (drei Hubschrauber und ein paar kleine Geschütze), der etwas ältliche Hubschrauberträger HMS Illustrious (bis zu 10 Hubschrauber und ein paar kleine Geschütze), die Fregatte HMS Westminster (Allerhand Bewaffnung gegen Luft-, See- und Unterwasserziele, Landziele scheinen nicht so im Fokus zu sein) und die Fregatte HMS Montrose (Wie bei der HMS Westminster). Auch das ein oder andere britische Atom-U-Boot könnte dort unterwegs sein. Insgesamt scheint das im Vergleich nicht sonderlich schlagkräftig.

In einiger Entfernung, nämlich im roten Meer, befindet sich die Flugzeugträgerkampfgruppe um den Flugzeugträger USS Harry S. Truman, die auch noch unterstützend tätig sein könnte.

Frankreich hat den Flugzeugträger Charles de Gaulle in der Gegend. Rund um Syrien haben Frankreich, Großbritannien und die USA Luftwaffenbasen zur Verfügung. Auch amerikanische Langstreckenbomber vom Typ Boeing B-52 könnten in der Luft betankt eingesetzt werden.

Die Deutschen stellen bekanntermaßen Luftabwehrstellungen entlang der türkisch-syrischen Grenze, bestückt mit Abwehrsystemen vom Typ MIM-104 Patriot. Auch ein möglicherweise für die Aufklärung nützliches Schiff der Oker-Klasse befindet sich in der Nähe. Welche Rolle all diese Einheiten spielen sollen, ist offen.

Nach den Meldungen, die man zur Zeit liest, soll das Ganze auf eine Art Bestrafungsaktion hinauslaufen, die zwei bis drei Tage andauert. Es sollen verschiedene militärische Ziele anvisiert werden, nicht jedoch mutmaßliche Chemiewaffendepots, wohl um zu vermeiden, dass tödliche Chemikalien freigesetzt werden.

Das erscheint plausibel, ist die potentiell beteiligte Flotte trotz ihrer insbesondere auf amerikanischer Seite hohen Feuerkraft doch vergleichsweise klein. Wenngleich die syrische Marine keine ernstzunehmende Gefahr darzustellen scheint, soll die syrische Luftabwehr doch recht stark sein, so dass man wohl auch mit dem Einsatz von Flugzeugen zunächst eher zurückhaltend sein wird, sofern es sich wirklich „nur“ um eine zwei- bis dreitägige Aktion handeln soll.

Wie das alles aber ausgehen soll, weiß kein Mensch . . .

Kategorie(n): Allgemein, Politik
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