Antiamerikanismus?

„Der Kanzler hat gesagt, wir sollen nicht in einen oberflächlichen Antiamerikanismus abgleiten . . .  aber meiner ist gar nicht oberflächlich“

Das ist ein Zitat von Volker Pispers. Was meine Einstellung zu den USA angeht, wäre es mir zu ihrer Beschreibung zu überspitzt, wobei man natürlich nicht vergessen darf, dass Überspitzung zum Handwerkszeug eines Kabarettisten gehört. Antiamerikanist zu sein würde ja bedeuten, alle Amerikaner über einen Kamm zu scheren. Dass aber alle etwa 315 Millionen Amerikaner gleich ticken ist nun wirklich äußerst unwahrscheinlich, genauso wie es unwahrscheinlich ist, dass ca. 80 Millionen Deutsche oder ca. 45 Millionen Iraner jeweils  alle gleich ticken.

Es ist selbstverständlich legitim, Kritik an den Machenschaften von Staaten zu üben. Und die Machenschaften der USA und deren Verbündeten, zu denen auch die Bundesrepublik Deutschland zählt, sind gemessen an den moralischen Ansprüchen, die sie erheben, nun mal in besonders krassem Widerspruch. Und wenn ich in der Ausübung meiner Kritik Namen von Staaten nenne, dann ist davon auszugehen, dass ich die Tätigkeiten der Regierungen der betreffenden Länder meine. Denn die sind es, die ich wahrnehme, während ich etwa den Durchschittsamerikaner, der vielleicht ganz andere Sorgen hat, gar nicht kenne, ebenso wie den Durchschnittsiraner. Allenfalls vom Durchschnittsdeutschen, sollte es ihn denn wirklich geben, habe ich eine gewisse Ahnung . . . Smilie: :-)

Das mal zur Einleitung.

Mich besorgt zur Zeit sehr, dass die durch Edward Snowden enthüllten Menschenrechtsverletzungen durch die Geheimdienste der USA und deren Verbündeten so wenig Resonanz zu zeigen scheinen. Insbesondere in den USA selbst hätte ich da mehr erwartet. Nicht dass es dort gegen solche Machenschaften wie die der NSA keine Widerstände gäbe, aber angesichts des dort weit verbreiteten Misstrauens gegenüber einer zu starken Einflussnahme der Regierung auf innenpolitische Belange kommen sie mir arg dürr vor. Und was anderes als eine unbotmäßige Einflussnahme ist eine derartige Zunahme von Auspionierungen der eigenen Bürger?

Das Gleiche hierzulande: Hier konkurrieren zwei Aussagen um die Gunst der Erklärung für das eigene Nichtstun. Die erste ist, man könne als Einzelner ja eh nichts bewirken. Ja klar, das stimmt wohl. Und so ist das Land voll von Leuten, die daheim in ihrem stillen Kämmerlein sitzen und sich selbst als machtlos empfinden. Natürlich sind sie als Einzelne machtlos, aber mit dieser Aussage basteln sie sich ihre eigene sich selbst erfüllende Prophezeiung. Meine Güte: Früher ist man angesichts solcher Verbrechen auf die Straße gegangen. man sah deutlich wahrnehmbare Massenproteste. Das mag heute vielleicht nicht mehr so en vogue sein, aber selbst als Couch-Potato ist man heutzutage  doch wohl in der Lage, seine Meinung zu äußern oder auf andere Weise seinen Unmut kund zu tun.

Wie wäre es zum Beispiel mal mit Verschlüsselung von E-Mails? Das ist heutzutage nun wirklich kein Hexenwerk mehr und kosten muss es auch nichts. Es erfordert nur ein klein bisschen Lernwillen. Nicht dass die NSA oder der BND unter Aufbietung aller verfügbaren Rechenleistung nicht in der Lage wäre, so eine verschlüsselte Mail zu knacken, aber es würde sehr sehr lange dauern. Und wenn es dann noch Millionen von Mails wären . . .

Oder auch nicht schlecht: Man könnte in E-Mails oder Social-Network-Einträgen den tatsächlich harmlosem Inhalt mit Worten aus Trigger-Word-Blacklists  umschreiben, Worten also, mit denen diverse Geheimdienst-Suchalgorithmen gefüttert werden, um angeblich verdächtiges Material zu finden. Nicht auszudenken, wenn solche Texte im Internet milliardenfach aufträten . . . Smilie: :-)

Die zweite Aussage ist die, dass ja wohl jene, die nichts Unrechtes tun, nichts zu befürchten hätten.

Das ist die wohl dümmste Begründung. Nur mal so ein Gedankenspiel: kaum jemand zur Zeit der Weimarer Republik hätte sich wohl träumen lassen, was auf sie folgte: Ein gnadenloses Terrorregime, das sogenannte dritte Reich. Wenn man die Ahnungslosigkeit von damals bedenkt: wer garantiert denn, dass wir im Moment nicht ebenso ahnungslos sind und uns in zwanzig bis dreißig Jahren ein ähnliches diktatorisches Regime erwartet? Man stelle sich vor, die Nazis von damals hätten die Mittel von heute gehabt. Wie groß wäre wohl die Wahrscheinlichkeit gewesen, vor den Schergen dieser Vollpfosten zu entkommen?

Zu dieser wirklich sehr dummen Begründung gibt es ein sehr anschauliches Video:

YouTube Preview Image

Btw.: Wieso bekommen die Briten in den Medien eigentlich so wenig ab? Deren Geheimdienste sind doch offenbar geradezu Pioniere dieser Idiotie. In der Hoffnung, mich nicht des Anti-Britentums verdächtig zu machen, folgt hierzu vielleicht noch irgendwann ein weiterer Artikel. Smilie: ;-)

 

 

 

Kategorie(n): Allgemein, Gesellschaft, Politik
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Eine Antwort auf Antiamerikanismus?

  1. Das ist, als wenn man Roulette spielen würde: man weiß nicht, ob man der Überwachung zustimmen soll oder nicht. Was meinst du?

    Ich weiß nicht, man kann ja schon Anschläge verhindern, oder nicht?