Telekom und die Abschaffung der DSL-Flatrate

Mittlerweile ist es ja länger schon bekannt: Zunächst zumindest für Neukunden wird ab dem 2. Mai die DSL-Flatrate abgeschafft. Statt dessen werden die diversen DSL-Tarife volumenbeschränkt. Wird das Volumen überschritten, wird die Geschwindigkeit auf 384 kbit/s gedrosselt. Die Grenzen werden voraussichtlich wie folgt aussehen:

  • Internetanschluss mit einer Bandbreite von bis zu 16 Mbit/s (ADSL2+): 75 GByte Transfervolumen
  • Internetanschluss mit einer Bandbreite von bis zu 50 Mbit/s (VDSL): 200 GByte Transfervolumen
  • Internetanschluss mit einer Bandbreite von bis zu 100 Mbit/s (Glasfaseranschluss oder VDSL-Vectoring): 300 GByte Transfervolumen
  • Internetanschluss mit einer Bandbreite von bis zu 200 Mbit/s (Glasfaseranschluss): 400 GByte Transfervolumen

(Quelle: www.heise.de)

Kleines Rechenbeispiel: Bei einer ADSL-Leitung mit einem Downstream von 16000 MBit/s sind Downloadraten von ca 1,5 MByte/s zu erwarten. (Der Einfachheit halber gehe ich mal von Dezimalpräfixen aus. Wären Binärpräfixe gemeint gewesen, müssten Schreibweisen wie Kibyte statt KByte bzw. MiByte statt MByte etc. verwendet worden sein) .

Eine 75 GByte große Datei wäre demnach bei einer 16000er Leitung in 50000 Sekunden heruntergeladen. 50000 Sekunden sind knapp 13,8 Stunden. Ich selber habe einen Anschluss, der 2000 kBit/s bietet. An guten Tagen sollten 250 kByte/s möglich sein. Die oben genannte 75 GByte große Datei wäre in 300000 Sekunden heruntergeladen, also in gut 83 Stunden bzw. in knapp 3,5 Tagen. Das ist immer noch ein ziemlich kleiner Bruchteil dessen, was ein Monat so an Tagen bietet.

75 GByte erscheinen viel. Doch ist es wirklich so? Mit die größten Bandbreitenfresser sind Videos. Damit sind nicht nur die üblichen Youtube- oder Vimeo-Videos gemeint, sondern auch alles, was von Online-Streaming-Diensten wie den Mediatheken der diversen TV-Sender oder von Plattformen wie Maxdome, Lovefilm, Watchever u.ä. kommt. Weitere „Verbraucher“ sind Patches, Updates und nicht zuletzt Online-Spieleplattformen wie Steam, Origin, UPlay u.ä.. Gerade was Spiele angeht, kann ein Update schon das ein oder andere GByte enthalten.

Und nun denke man sich das gar nicht so seltene Szenario, dass nicht nur ein einziges Gerät an einem DSL-Anschluss hängt: Eine Familie wird höchstwahrscheinlich mehr als einen PC oder Notebook am Netz haben. Smartphones und Tablet-PC’s, ebenfalls über WLAN an der DSL-Leitung nuckelnd, sind mittlerweile auch keine Seltenheit mehr. Auch netzwerkfähige Fernseher, Blue-Ray-Player und Streaming-Boxen fordern ihr Scherflein an Bandbreite. Und leise dudelt das Internetradio stundenlang vor sich hin . . . usw. . . . usw.

Auch die nötige Bandbreite pro Anwendung wird wohl steigen. Um beim Spiele-Beispiel zu bleiben:

  • Das Spiel „Unreal Tournament“ erschien hierzulande im Jahr 2000. Ich habe es tatsächlich noch auf meiner Festplatte (läuft auch unter Windows 7 Smilie: :-) ) und es belegt dort 800 MByte.
  • Im Jahr 2005 erschien „Battlefield 2“. Bei mir belegt es 1,35 GByte.
  • 2011 kam „Battlefield 3“ auf den Markt. Es verschlingt 17 GByte an Speicherplatz.
  • Ein Jahr später erschien „Max Payne 3“, das bei mir gut 28 GByte Platz belegt.
  • Mein Steam-Ordner ist mittlerweile 111 GByte groß . . .

Wie schon erwähnt werden viele Spiele heutzutage über Spieleplattformen vertrieben bzw. betreut. Der User legt dort während der Installation einen Account an bzw. er loggt sich über einen bereits vorhandenen Account ein. Nachteil ist, dass das Spiel dann an den User gebunden ist, das Spiel also so ohne weiteres nicht verkaufbar ist. Vorteil ist, dass das Spiel auch ohne CD bzw. DVD installiert werden kann, eben über das Netz. Auch ein Kauf eines kompletten Spiels über solch eine Plattform ist möglich, das komplette Spiel wird dann über das Internet heruntergeladen.  Und wie oben angedeutet steigt das Datenvolumen immer weiter.

Und weitere „Innovationen“ sorgen dafür, dass das Datenaufkommen im Netz steigen wird. So sind gerade die ersten 4K-Fernseher auf den Markt gekommen, die mal eben die doppelte Auflösung von Full-HD-Fernsehern haben. Über Sinn oder Unsinn solch einer hohen Auflösung kann man streiten, aber das Datenvolumen wird dadurch vervierfacht und neue Kompressionsalgorithmen werden da nicht sonderlich stark gegensteuern können. Das derart hoch aufgelöste Videos auch irgendwann im Netz auftauchen, ist m.E.n. nur eine Frage der Zeit.

Auch Internettelefonie, womöglich auch noch mit Bildübertragung, wird an Bedeutung weiter gewinnen. Und Musik wird auch immer öfter im Netz eingekauft, von Usern mit „High-End“-Ohren auch oft genug in nicht-verlustbehafteten Kompressionsformaten wie FLAC, die mehr Bandbreite verbrauchen, als etwa MP3.

Das stellt die Netzbetreiber natürlich vor Probleme. Denen können sie auf zweierlei Hinsicht begegnen: Entweder sie bauen die Netze weiter aus, oder sie schaffen die Internetflatrate ab, in dem sie  sie mit Volumenbeschränkungen versehen. Dass die Telekom sich für letzteres entschieden hat, ist ein Armutszeugnis, denn auf den ersten Blick (!) kann sie dem erhöhten Datenaufkommen nichts mehr entgegensetzen (so nebenbei: Ich muss mich schon freuen über das kürzliche Anheben der DSL-Geschwindigkeit von 384 kBit/s auf 2000 kBit/s . . . ).

„Auf den ersten Blick“ soll heißen: Offenbar reicht die Bandbreite aber doch, um die eigenen Entertainment-Angebote zu pushen, denn sie sind als von der Volumenbeschränkung ausgeschlossen angekündigt. Man glaubt in den Telekom-Chefetagen allen Ernstes, dass der Netzneutralität genüge getan werden kann, indem man den eigenen Videostreaming-Angeboten einen Wettbewerbsvorteil mitgibt, den reine Streamingdienste (also Youtube, Vimeo, Maxdome, Lovefilm, Whatchever, die diversen TV-Sender-Mediatheken, usw.) ohne Provider-Funktionalität naturgemäß nicht bieten können. Die Privatisierung der ehemaligen Deutschen Bundespost war offensichtlich völlig erfolglos, wenn es darum gegangen sein sollte, ein latentes Monopoldenken aus den Köpfen der dort Verantwortlichen zu vertreiben.

Man sollte nicht vergessen: Auch Videos bzw. Filme sind meinungsmachend.

Von den Drogen, die es braucht, um sich die Welt so schön zu reden, dass angesichts des oben Beschriebenen noch von „Netzneutralität“ gesprochen werden kann, hätte ich auch gerne welche . . . Smilie: ;-)

Kategorie(n): Allgemein, EDV, Gesellschaft, Musik, Politik, Technik
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2 Antworten auf Telekom und die Abschaffung der DSL-Flatrate

  1. Dem Beitrag kann man nur zustimmen!

    JONAS T. sagt:

    Genau so ist es.