Neuer Papst

Ich versuche gerade, mir vorzustellen, ein älterer Herr stünde vor mir und verkündete:

Wenn man Jesus Christus nicht bekennt, da kommt mir das Wort von Léon Bloy in den Sinn: „Wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel.“ Wenn man Jesus Christus nicht bekennt, bekennt man die Weltlichkeit des Teufels, die Weltlichkeit des Bösen.

Quelle: de.radiovaticana.va

Dieser ältere Herr ist das neue Oberhaupt der katholischen Kirche und ich versuche mir unter diesen Vorzeichen, wenn nicht schon zumindest eine ein bisschen erfolgreichere Verschiebung von Religion ins Private, mir doch wenigstens einen gedeilichen interreligiösen Dialog vorzustellen . . . vergeblich.

Angesichts der Gleichstellung homosexueller Menschen bezüglich Ehe und Adoption 2010 in Argentinien hat dieser ältere Herr noch als Kardinal Bergoglio sich folgendermaßen geäußert:

Lasst uns nicht naiv sein, wir reden nicht von einem einfachen politischen Schlagabtausch; es ist eine destruktive Anmaßung gegen den Plan Gottes. Wir reden nicht über ein bloßes Gesetz, sondern eher über eine Intrige vom Vater der Lügen, welche die Kinder Gottes zu verwirren oder zu täuschen versucht.

Quelle: de.wikipedia.org

Dass dieser ältere Herr zuweilen ein gütig erscheinendes Lächeln zur Schau trägt und sich mit dem Nimbus eines Franz von Assisi schmückt (er nennt sich deshalb Franziskus), beruhigt mich da nicht sonderlich, eher ist das Gegenteil der Fall. Denn er könnte auf diese Weise mit solch grundlegenden wie auch abstrusen Aussagen wie den oben zitierten womöglich überzeugender wirken, als gut ist. Es ist dies schließlich eine Welt, in der die Form allzu oft über den Inhalt geht.

Kategorie(n): Gesellschaft, Glauben und Religion
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5 Antworten auf Neuer Papst

  1. Lampedusa (Die erste Auslandsreise des Papstes)

    Der Papst war in Lampedusa, um an die Ertrunkenen zu erinnern,
    die vor Gewalt fliehen wollten. Deshalb hat er ein Blumenkranz
    ins Wasser geworfen und für sie gebetet. Wenn er jetzt noch das
    mit den Schwulen und Lesben widerruft, ist er nicht schlecht.

  2. Ich sehe das genau so, außer: das mit dem Franziskus, weil ich gehört habe, dass er wirklich den Amen half.

    • Dass er sich in Argentinien für Arme engagiert hat, habe ich nicht bestritten. Für ein überzeugendes Pontifikat reicht das für meinen Geschmack aber nicht aus, wenn gleichzeitig Abgrenzung und Homophobie gepredigt werden.

      Vielleicht ändert er seine Meinung ja, dann will ich nichts gesagt haben. Aber man bedenke: Da ist die Institution katholische Kirche und er ist nur der Papst . . .

        Klaus Schuster sagt:

        Die Crux (!) ist: Wir können von KEINEM Repräsentanten der katholischen Kirche, so sympathisch dieser auch lächeln mag, erwarten, dass er Homosexualität gutheißt! Allein schon deshalb, weil – wenn ich das richtig in Erinnerung habe – die katholische Kirche jegliche Form von Sex, sofern sie nicht der „Fortpflanzung“ dient, zu den Sieben Todsünden zählt! (Es heißt, die Kurie sei ohnehin nicht gut auf den lieben Gott zu sprechen, weil sich dieser in seinem unerforschlichen Ratschluss eine wirklich unsägliche Form der Fortpflanzung ausgedacht habe – Windbestäubung hätte vollkommen ausgereicht! Smilie: ;) )
        Und aus dem selben Grund ist es leider auch müßig zu erwarten, dass sich im Vatikan und Umgebung die Haltung zu den verschiedenen Formen der Empfängnisverhütung ändert. (Enthaltsamkeit bleibt erlaubt Smilie: :( )

        • Genau. Das ist das, was ich in aller Kürze meinte mit:

          Aber man bedenke: Da ist die Institution katholische Kirche und er ist nur der Papst . . .

          Btw.: „Windbestäubung“, der war gut. Smilie: :-)