Verantwortung aus Mangel an Voraussicht

In der Sahara herrscht Krieg. Niemand weiß, wie er sich entwickeln wird. Es ist ein Gebiet unvorstellbarer Größe, ein Gebiet, bei dem zu denken, Gesetze oder wie auch immer geartete humanistische Werte hätten es in alle seine Winkel geschafft, einfach illusorisch ist.

Gleichzeitig leben wir in einer Welt, die immer schon komplex war, nur dass es uns durch die wachsende Medienvielfalt nur noch mehr bewusst gemacht wird. Viele Menschen suchen daher ihr Heil in der Einfachheit verbrämender Ideologien, zu denen ich auch Religionen insbesondere in ihren extremen Auprägungen zähle.

Aus verschiedenen Gründen trägt die s.g. „westliche Welt“ ein Gutteil Mitschuld auch an den Verhältnissen, die zur Zeit rund um den Staat Mali herrschen. Jede der in ihr versammelten Nationen handelte bezüglich der Länder, in denen jetzt beispielsweise der islamische Fundamentalismus auf dem Vormarsch ist, nach ihren kurzfristigen Interessen, das aber ohne die langfristigen Auswirkungen zu bedenken.

Vielleicht ist das die Krux verhältnismäßig kurzer Legislaturperioden in allen demokratischen Ländern: Viel zu viele in Verantwortung stehende Menschen versuchen sich über sie hinweg zu retten, ohne wirklich an die fernere Zukunft zu denken. Auch wenn Helmut Schmidt gesagt haben soll, dass zum Arzt soll wer Visionen hat: Visionäre scheinen mir allzu rar gesäht.

Wie dem auch sei: Die westliche Welt hat sich den Mist eingebrockt, und das leider nicht nur sich selbst. Und es erscheint mir verwerflich, wenn sich einzelne Nationen dann aus ihrer Verantwortung heraus stehlen, indem sie zur Unterstützung beispielsweise lediglich zwei Transall C-160 schicken, die zu nichts anderem in der Lage zu sein scheinen, als die afrikanischen Truppen der Ecowas zu einem Flughafen in Mali zu bringen, der sich weitab des eigentlichen Kampfgeschehens befindet.

Nicht das man mich falsch versteht: Ich halte mich für einen Pazifisten. Doch wenn man sich durch einen Haufen verpasster Chancen in einen anderen Haufen, diesmal voller Mist, manövriert, wird man sich auf Dauer nicht so billig hinwegstehlen können . . .

Kategorie(n): Allgemein

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